Psychologische Praxis Günter Rupp

Meine fachliche Ausrichtung

Ich habe meine Fachkunde in der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie erworben. Bei diesem Verfahren spielt der Blick auf Ihre Biographie eine wichtige Rolle, um wiederholt auftretende, oftmals unbewusste, Konflikte zu erkennen und zu bewältigen. 

Damit verknüpft ist die Frage, welchen "Sinn" ein psychisches Beschwerdebild haben kann. Die biographische Aufarbeitung ist - im Unterschied zu den psychoanalytischen Verfahren - stärker auf die Bewältigung aktueller Konfliktlagen zentriert. Das Ziel ist ein reifer und selbstbejahen­der Umgang mit Belastungen und schwierigen Gefühlen.

Ein weiterer, auf positive Deutung, Ermutigung und Selbst­wirksamkeit zielender, Akzent meiner Arbeit basiert auf meiner Ausbildung bei Prof. Dr. Nossrat Peseschkian, der das tiefenpsychologische Verfahren der Positiven Psychotherapie begründete.

Meine Nähe zu systemisch-lösungsorientierten Ansätzen ergibt sich daraus, dass mir der Blick auf die Bedingungen in der Herkunftsfamilie und weiterer Entwicklungskontexte wichtig ist. Dadurch können die beziehungsgestaltende Bedeutung von Symptomen und deren oft über Generationen weitergegebene Bedeutungsgeschichte erschlossen und in verträglichere Lösungs­muster umgewandelt werden. In dieser Hinsicht haben mich Fortbildungen bei Vertretern der lösungs­fokussierenden und hypno-systemischen Schule (Steve de Shazer, Gunther Schmidt) sowie langjährige Supervisions- und Intervisionserfahrungen inspiriert.


Hintergründe der eingesetzten Verfahren

Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie

Das Menschenbild und das Verständnis der Entstehung psychischer Krankheiten sind ähnlich wie bei der psychoanalytischen Therapie, aus der sich diese Therapieform entwickelt hat. Beide nehmen an, dass dem aktuellen Problem ein innerpsychischer Konflikt zugrunde liegt. 

Die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie konzentriert sich allerdings stärker auf die Bearbeitung der aktuellen Auswirkungen des so genannten zentralen Konflikts und sucht auf dieser Basis nach möglichen Zusammenhängen mit der Persönlichkeit oder der Vergangenheit des Patienten. Dieser soll befähigt werden, die Zusammenhänge und Ursachen seiner Probleme auf einer tieferen Ebene zu verstehen und so Veränderungen im Erleben und Verhalten erzielen. Hierbei unterstützt und ermutigt ihn der Therapeut aktiver als in der Psychoanalyse.

Positive Psychotherapie

Das Verfahren stammt aus dem Spektrum der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapien. Grundlage ist das positive Menschenbild aus dem sich ein salutogenetisches, das heißt gesundheits- und ressourcenorientiertes Vorgehen ableitet. Sie integriert Elemente verschiedener Therapiemethoden und verwendet Lebensweisheiten verschiedener Kulturen zur Anregung von Vorstellungsvermögen und Vorstellungsalternativen. 

Es wird nicht sofort versucht, eine Störung zu beseitigen, sondern diese zunächst in ihrem Kontext zu verstehen. Das Wort „positiv“ (von lateinisch „positum“) bedeutet hier tatsächlich, wirklich. Die positiven Therapeuten wollen dem Klienten also helfen, die Störung transparent zu machen und ihren Sinn zu sehen. Dementsprechend wird Krankheit umgedeutet. Ein Weg, die Ressourcen des Klienten zu mobilisieren, sind Geschichten, Gleichnisse, Weisheiten. Diese erleichtern in der Positiven Psychotherapie den gedanklichen und emotionalen Standortwechsel: „Man kann auf seinem Standort stehen, aber man sollte nicht darauf sitzen bleiben.“

Systemische Therapie

Systemische Therapie stellt neben der Tiefenpsychologie, der Verhaltenstherapie und den humanistischen Verfahren eine weitere Therapieform dar. Es gibt verschiedene Formen der systemischen Therapie, aber alle beziehen die wichtigsten Bezugspersonen des Patienten mit ein. Eine psychische Erkrankung wird im Bedeutungsgefüge des Systems, das heißt in der Familie oder im weiteren Umfeld gesehen: Beziehungen zu Familienmitgliedern, Personen aus dem Lebensumfeld oder Institutionen. Diese müssen nicht immer anwesend sein. 

Im Gegensatz zu vielen anderen Therapien können die Sitzungen variabler und oft auch in größeren Abständen stattfinden. In systemischen Therapien werden gerne metaphorische Techniken, Skulpturen oder Systemaufstellungen eingesetzt. Dabei werden beispielsweise Familienmitglieder von einer Person derart im Raum aufgestellt, dass die Position und Haltung der Mitglieder ein Bild ihrer familiären Beziehungen ergibt. Im "Time-Line-Ansatz", in der Genogrammarbeit oder der Familienrekonstruktion können familienbezogene Haltungen und „Aufträge“ sowie die beziehungsgestaltende Funktion von Symptomen erschlossen und in einen neuen lösungs- statt krankheitsorientierten Horizont gestellt werden.


Quellen und wissenschaftliche Literatur